Orden in Andernach - Feldjäger

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Orden in Andernach

Geschichte
Der erste deutsche Soldat, der in Andernach einen Orden auf seiner Uniform trug war ein Militärpolizist der neuen deutschen Streitkräfte.
Zu den ersten fünf Lehreinheiten des Heeres, die am 15. Dezember 1955 in Andernach aufgestellt wurden, gehörte auch die „Militärpolizei-Lehrkompanie“. Der Kompaniechef war Major Bürkner und der Kompaniefeldwebel der Stabsfeldwebel Beutel. Mit 6 Offizieren, 137 Unteroffizieren und 33 Mannschaften hatte die Kompanie die heeresübliche Gliederung mit Kompanieführungs- und Versorgungsteilen, Zügen und Gruppen.
 
Das Personal bestand aus ehemaligen Soldaten der Wehrmacht und der Polizei. So standen im Offizierskorps Polizeioffiziere neben ehemaligen Offizieren der Feldgendarmerie und Wehrmachtsleutnanten, die nach dem Kriege in den verschiedensten Polizeiformationen des Bundes und der Länder weitere Erfahrungen im Polizeidienst sammeln konnten. Die Feldwebeldienstgrade jener Tage kamen entweder als ehemalige Feldwebel der Wehrmacht aus allen Bereichen des zivilen Berufslebens oder aber waren Wehrmachtsunteroffiziere, die im Polizei- oder Justizdienst in vergleichbare Ränge bzw. Dienstgrade aufgestiegen waren. Die jungen Unteroffiziere der Feldjägertruppe kamen damals in der Regel aus den Polizeiformationen des Bundes und der Länder sowie des Bundesgrenzschutzes. Nicht zu vergessen sind aber auch Offiziere und Unteroffiziere, die aus den Reihen der amerikanischen „Labor Service Units“ (LSU), der britischen „German Service Organization“ (GSO) und der französischen „Formations auxiliaires de transport“ (FAT) kamen. Die ersten ungedienten freiwilligen Feldjägerrekruten schließlich kamen aus allen Zivilberufen.
 
Einer der Unteroffiziere war Walter Stürm. Geboren am 1. November 1924 in Haßloch/Pfalz. Er trat nach dem Schulbesuch und der Lehre 1941 kriegsfreiwillig in die Luftwaffe ein. Nach der Grundausbildung beim Fliegerausbildungsregiment 63 in Eger wechselte er 1942 auf eigenen Wunsch zum Fallschirmpionierbataillon 1 nach Dessau. Seinen 18. Geburtstag beging er im November 1942 in bei Smolensk. Nach schweren Winterkämpfen wurde das Bataillon dort herausgelöst danach in die Normandie und später nach Südfrankeich verlegt, um am 14. Juli 1943 von Rom zum Sprungeinsatz nahe des Flugplatzes Catania auf Sizilien zu starten. Nach schweren Kämpfen auf Sizilien, vor Monte Cassino und in den Dolomiten geriet der Oberjäger Stürm dort 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Seine Kriegsauszeichnungen, das Eiserne Kreuz II und I, das Luftwaffen Erdkampfabzeichen und das Infanterie-Sturmabzeichen belegen neben dem Fallschirmschützen-Abzeichen seine Tapferkeit seine soldatischen Leistungen.

In der Nachkriegszeit war Walter Stürm zunächst bei der BASF in Ludwigshafen angestellt. Von 1946 bis 1951 arbeitete er als ausgebildeter Pionier in der Kampfmittebeseitigung am ehemaligen Westwall in der Südpfalz und danach bei der Bundespost in Ludwigshafen, bevor er sich um den Eintritt in die Bundeswehr bewarb. Im Dezember 1955 erfolgte seine Einberufung zur Militärpolizei-Lehrkompanie nach Andernach.
 
Dort war er als Militärpolizist der erste Soldat, der bei der Begrüßung der Lehrtruppe durch den Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer am 20. Januar 1956 für den verdienstvollen Einsatz in der Kampfmittelbeseitigung als Orden das „Bundesverdienstkreuz am Bande“ auf der Uniform trug.
 
In Andernach und Rheinbach war Walter Stürm als Feldwebel im Sicherheits- und Eskortendienst für das Ministerium und ab 1959 in Sigmaringen und Böblingen als Stabsfeldwebel und Oberleutnant in der Luftlande-Feldjägerkompanie 9 eingesetzt. Nach seiner weiteren Verwendung ab 1972 im Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg, trat er dort 1977, ausgezeichnet mit dem Abzeichen für Leistungen im Truppendienst und dem Fallschirmspringerabzeichen in Gold, als Hauptmann in den verdienten Ruhestand.
 
Seinen Kameraden der Fallschirmtruppe hielt Walter Stürm als Kameradschaftsleiter in Freiburg und den Feldjägern als Mitglied im Ortsverband Eschbach die Treue. Am 8. Februar 1997 verstarb Walter Stürm nach einer Mittelmeer Kreuzfahrt in Genua. Mit einer Trauerfeier nahmen im Kreise seiner Angehörigen zahlreiche ehemalige und aktive Fallschirmjäger und Feldjäger Abschied. Sein Leben und Wirken als Soldat und Mitarbeiter würdigte Oberstleutnant Dr. Georg Meyer als Wissenschaftlicher Direktor im Militärgeschichtlichem Forschungsamt in Freiburg. Seine stets kameradschaftliche Haltung und gezeigten militärischen Leistungen verdienen Achtung und Respekt. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, unsere Erinnerung einem guten Kameraden.
 
Text: Karl-Heinz Kreutz
Bild: Kreutz-Archiv-Sonthofen
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