Feldjäger helfen Feldjägern - Feldjäger

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Feldjäger helfen Feldjägern

Feldjaegertruppe
Feldjäger helfen Feldjägern

 
Es ist ein grauer, trüber Novembermorgen und das Wetter spiegelt an diesem 11. November 2020 vermutlich die Laune vieler Jecken in diesem Jahr wider. Für das Karnevalsfest hat der Norden jedoch ohnehin nicht viel übrig und das „Schietwetter“ kann die norddeutsche Fröhlichkeit längst nicht trüben. Das wird sehr deutlich, als Familie Brämer an diesem Morgen die Tür für ihre Besucher öffnet und diese herzlich empfängt. Was genau sie erwartet, wissen sie noch nicht. Nur, dass der Kompaniechef, Hauptmann AL-Asmar, und der Spieß, Oberstabsfeldwebel Stier, des Familienvaters Hauptfeldwebel Brämer in Begleitung von Hauptmann a.D. Wilfried Mohr, Regionalleiter Region 1 der Kameradschaft der Feldjäger, sich heute für einen ganz besonderen dienstlichen Besuch angekündigt haben.
 
Das Schicksal hat es in den vergangenen Jahren nicht immer gut mit Familie Brämer gemeint und ihnen die ein oder andere Last aufgebürdet. Vor einigen Jahren erkrankte die Ehefrau und Mutter Nicole Brämer. Ein Gendefekt ließ sie ihr Augenlicht fast vollständig verlieren und verlangte der lebensfrohen Frau viel Mut ab, um sich mit der neuen Einschränkung im Alltag zurechtzufinden. Die Familie organisierte sich neu und schaffte es gemeinsam mit den Folgen der Erkrankung umgehen zu lernen. Die großen Söhne (15 und 17 Jahre) unterstützen ihre Eltern hierbei mit viel Engagement und zeigen großes Verantwortungsbewusstsein. In den letzten drei Jahren zeigten sich jedoch weitere Schwierigkeiten. Die jüngste Tochter der Familie (8 Jahre) hatte Probleme, den Schulalltag zu meistern. Ihr fiel das Lernen in einigen Fächern schwer und einige Mitschüler setzten dem jungen Mädchen sehr zu. Nach einer längeren Odyssee von Arztbesuchen bekam die Familie die Diagnose: ihre kleine Tochter leidet an dem Asperger-Syndrom. Dies erklärte zwar die Lernschwierigkeiten, löste jedoch nicht die Probleme. Bis heute kämpft die Familie um die notwendige Unterstützung für ihr Kind in Form einer Schulbegleitung und einer Beförderung zu einer Schule mit adäquatem, inklusivem Lernkonzept. Der Kampf wird seit Jahren durch die mangelnde Akzeptanz und Unterstützung seitens der zuständigen Stellen erschwert. Oft hörte Familie Brämer, dass man ihnen aufgrund mangelnder Zuständigkeit nicht helfen könne oder die vermeintlich zuständige Stelle zweifelten die ärztlich bestätigte Diagnose an.
 
Trotz dieser Probleme und des scheinbar nicht enden wollenden Kampfes gegen die bürokratischen Mühlen, hat Familie Brämer nie den Mut oder ihre Fröhlichkeit verloren. Ferner sind sich der Kompaniechef und der Kompaniefeldwebel einig: bei diesem schweren Päckchen, welches die Familie in den letzten Jahren zu tragen hatte, ist das herausragende Engagement von Hauptfeldwebel Brämer umso bemerkenswerter. Zu jeder Zeit wurde ihm offeriert, dienstliche Belange temporär zurückzustellen, um sich noch intensiver den äußerst belastenden Familienangelegenheiten zu widmen.
 
Die Kompanie und das Feldjägerregiment 1 haben dem Familienvater stets den Rücken gestärkt. Doch Hauptfeldwebel Brämer ist Familienvater und Soldat mit Leib und Seele. Er hat es all die Jahre geschafft, dienstliche und familiäre Belange gleichwertig zu koordinieren und war, trotz seiner schwierigen privaten Situation, zu jeder Zeit ein überaus verlässlicher und leistungsstarker Soldat. Hierbei wurde er durch seine Familie und insbesondere durch seine Ehefrau verständnisvoll und mit Hingabe unterstützt. Mit viel Engagement und Herzblut ist der Feldjäger und ausgebildete Zugriffsdurchsuchungssoldat eine Konstante und ein Impulsgeber für seine Kameraden, seine Einheit und das Feldjägerregiment 1. Hier ist er seit einigen Jahren federführend für die regimentsinterne und regimentsübergreifende Weiterbildung im Rahmen der Spezialisierung Zugriffsdurchsuchung durch Feldjäger zuständig.
 
Das Engagement und die Durchhaltefähigkeit sollten nun auf besondere Weise belohnt werden. Um der Familie eine Atempause zu verschaffen, nahm die Kompanieführung Verbindung mit der Kameradschaft der Feldjäger - hier im Besonderen mit Hauptmann a.D. Wilfried Mohr - auf. Dieser zeigte sofort große Empathie und leitete das Hilfeersuchen unmittelbar an den Bundesvorstand der Kameradschaft der Feldjäger weiter. Im Stile des traditionellen Korpsgeistes der Feldjägertruppe wurde dem Antrag kameradschaftlich, unbürokratisch und äußerst schnell zugestimmt. So kam es schließlich zu dem dienstlichen Besuch der besonderen Art, bei dem sich Hauptmann a.D. Mohr gemeinsam mit der Kompanieführung der 4./FJgRgt 1 an einem grauen Novembermorgen im Vorgarten der Familie ihres Kameraden wiederfanden. „Ich habe von Ihrem Schicksalsschlägen gehört und dies dem Bundesvorstand vorgetragen. Wir alle waren uns einig, dass eine Familie nach so einer Zeit etwas Unterstützung und eine Pause von all dem gebrauchen kann. Deshalb freue ich mich, dass ich heute im Namen der Kameradschaft der Feldjäger hier sein und die Grüße aller ausrichten darf. Wir wünschen Ihnen alles Gute und weiterhin viel Kraft!“ äußerte Hauptmann a.D. Mohr während er der Familie einen kleinen roten Umschlag überreichte. Mit diesem wird der Familie ein Urlaub ermöglicht, bei dem sie zur Ruhe kommen darf und Zeit finden kann durchzuatmen. „Toll, wir freuen uns sehr, vielen, vielen Dank.“, sagt Frau Brämer, während sie den Umschlag in den Händen hielt. Ihr Mann fasst ergriffen ihre Hand und schüttelt gerührt den Kopf: “Ich sage nichts mehr…“. So war es möglich, mit Hilfe der Kameradschaft der Feldjäger einer Familie eine große Freude und einen gestandenen und gefestigten „Zugreifer“ sprachlos zu machen.

 
Text: Ziad AL-Asmar, Hauptmann und Mareike Hinrichs, Hauptmann - Bild: Mareike Hinrichs, Hauptmann





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