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German Military Police Company 1945

von Karl-Heinz Kreutz

Bei Kriegsende, im Mai 1945, befanden sich Tausende ehemaliger Angehörigen der Deutschen Wehrmacht in alliiertem Gewahrsam. So auch in der Nähe der belgischen Stadt Tournhout, zwischen Antwerpen und Eindhoven. Hier war eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Kriegsgefangenen-Camps eingerichtet worden. In den Einzellagern befanden sich jeweils ca. 2000 Kriegsgefangene in Rundzelten zu etwa 15 Mann untergebracht. Wache, Lagerleitung und Küche befanden sich in sogenannten Nissenhütten. Die Verpflegung war nicht schlecht, aber äußerst knapp bemessen. Mittags gab es eine dünne Suppe und bei der abendlichen Kaltverpflegung das bei den Engländern übliche Weißbrot. Dazu Margarine, englische Würstchen oder Sardinen. Höhepunkt war die sonntägliche Milchsuppe aus Dosenmilch.

Eines dieser Lager befand sich in der Nähe von Zedelgem bei Ostende. Hier forderte Mitte Juli 1945, nach dem morgendlichen Zählappell, der englische Captain Harrys die angetretenen Gefangenen auf:

"Bitte alle einmal herhören! Wer ist Polizist und kann Motorrad fahren?"

Alle hoben in der Erwartung, möglichst bald nach Hause zu kommen, die Hand. Und Captain Harrys setzte fort:

"Meldet Euch, denn dies ist der sicherste Job für die nächsten 40 Jahre!"

Nach bestandener Probefahrt mit dem Motorrad wurden die Probanden einige Tage später in das Lager Vilvorde bei Brüssel verlegt. Dort wurden die Tage zunächst gleichfalls mit Ruhen verbracht. Doch bildeten sich bald auch hier Zirkel, wo von qualifizierten Mitgefangenen auf den verschiedensten Gebieten Wissen angeboten wurde. Sprachunterricht in Englisch und Russisch, aber auch Buchführung und selbst Malerei.

Aus den verschiedenen Einzellagern wurden nach einem noch undurchsichtigen System im September 1945, sechs Monate nach Kriegsende, die ausgewählten Männer im Lager 2228 zusammengezogen. Sie wurden zu Kompanien zusammengestellt. Und beim Aufruf und Kennenlernen stellte sich heraus, dass alle Männer überwiegend aus dem Polizeidienst kamen, ausgenommen einiger Funktioner, wie Schreiber, Dolmetscher, Sanitäter, Köche und andere. So wurden in kürzester Zeit mit Kriegsgefangenen drei German Military Police Companies aufgestellt, die umgehend mit englischen Armee-Lastkraftwagen nach Deutschland, in die Heimat nach Hamburg, Moers und Warendorf fuhren.

Die Engländer hatten als Besatzungsmacht nach der inzwischen durchgeführten Entlassung landwirtschaftlicher Kräfte aus der Gefangenschaft, zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur verschiedene Dienstgruppen (DG) aus Kriegsgefangenen gebildet, die entweder Kraftfahrer waren und als Transport Group mit englischen Armee-Lastkraftwagen ausgestattet wurden, oder aber sich im Fernmeldewesen auskannten und das Telefonnetz wieder in Ordnung brachten. So wurde zum Beispiel am 1. August 1945 im Kreis Eutin mit 450 ehemaligen Angehörigen der Panzerdivision "Großdeutschland" die 304. Transport Service Group aufgestellt. Da Transportraum und Benzin zu den Engpässen der Nachkriegszeit gehörten, hatte sich bald die Notwendigkeit herausgestellt, diese Transport Groups einer verkehrspolizeilichen Überwachung zu unterstellen. Mit dieser Aufgabe wurde die German Military Police auch betraut.

Alle Dienstgruppen hatten eine englische Betreuungs-Einheit (Parent-Unit). Bei der German Military Police war dies eine Kompanie der Royal Military Police, die auch für die Versorgung der deutschen Teile zuständig war. Zu jeder Company der German Military Police gehörten drei deutsche Offiziere als Superintendenten. Eingekleidet wurde in braun eingefärbte englische Uniformen und ausgestattet mit weißem Gurt-Koppelzeug. Als Fahrzeuge wurden den einzelnen Kompanien je zugewiesen:



Angetretener Zug der German Military Police Company
1 x Kübelwagen für den Chief-Superintendent
1 x 3 to als Versorgungslaster
6 x 0,75 to Trucks
72 x 500 ccm BSA Motorräder

Die Unterbringung und Versorgung der in Warendorf stationierten Kompanie erfolgte zunächst im Landgestüt. So zog die Verwaltung mit der Schreibstube in das Verwaltungsgebäude, und die Mannschaften wurden oberhalb der Ställe untergebracht. Die Versorgung der Einheit mit Verpflegung und Gerät erfolgte durch ein Depot in Gütersloh/Brackwede. Die dienstlichen Kontakte fanden regelmäßig per Motorrad statt. Benzin spielte dabei keine Rolle, was sich daraus ersehen lässt, das alle Fahrzeuge an der 25 km entfernten englischen Tankstelle an der Autobahn in Höhe Rheda-Wiedenbrück betankt werden mussten, so dass für die Hin- und Rückfahrt jeweils ein beträchtlicher Teil der Tankfüllung verbraucht wurde.

Die ersten Einsätze bestanden zunächst in der Unterstützung der örtlichen deutschen Polizei und wurden wegen der Übergriffe der zahlreichen Ausländer anfangs nachts als gemischte Streife gefahren. Dabei saß der Polizist auf dem Sozius. Waffen hatten beide nicht, lediglich einen scharfen Blick und einen Holzknüppel. Nachdem die Polizei verstärkt wurde, verlegte sich der Streifendienst mehr auf die Ausländer in englischen Diensten. Aus diesen Einsätzen ergaben sich Beanstandungen, die Meldungen zur Folge hatten. Sie wurden übersetzt und wurden zur weiteren Bearbeitung der englischen Betreuungseinheit zugeleitet.



Aus den Anfängen der German Military Company 1945 in Warendorf
Es kamen aber auch bald neue Aufgaben auf die Einheit zu. So wurde in Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei und der Flüchtlingsbehörde bei der Ankunft der Flüchtlingszüge aus dem Osten unterstützt, insbesondere beim Transport der mit Gepäck beladenen Flüchtlinge vom Bahnhof ins Gestüt. Hier wurden die Flüchtlinge registriert und bekamen zunächst für wenige Nächte Quartier auf Stroh, bis sie nach einigen Tagen auf die verschiedenen Landkreise aufgeteilt und dorthin weitergeleitet wurden.

Bis zum 3. November 1947 waren die Angehörigen der Dienstgruppen (DG) noch immer Kriegsgefangene. Danach erfolgte die Umwandlung in Zivilbedienstete der German Civil Labour Organization (GCLO). Die weitere Zugehörigkeit erfolgte jetzt auf freiwilliger Basis. Zugleich wechselten zahlreiche der jetzt ausgewiesenen Zivilbediensteten aber auch in andere Beschäftigungen oder versuchten, soweit in der damaligen Ostzone beheimatet, dorthin zu gelangen.

Am 1. Mai 1948 war aus der in Warendorf stationierten German Military Police Company die 964. GCLO Traffic Control Group geworden. Sie verlegte nach Hannover, wo sie u.a. untergebracht war im:
Strandbad am Maschensee
Pelikanwerk in der Podbielski-Straße
Vahrenwalder Straße, gegenüber der Emmich-Cambrai-Kaserne
General-Wever-Straße
Brinker-Hafenstraße in Langenhagen

Im Strandbad am Maschensee wurde erstmals in der neuen Währung, der D-Mark (Deutsche Mark), entlohnt. Auch fand eine ziemlich groß angelegte Aufnahme-Aktion zur Auffüllung der Einheit statt. Es war der Wendepunkt für die völlige Umstrukturierung der Einheit. Bewerber waren noch nicht wieder eingestellte Polizeibeamte, sogenannte 131er (Wehrmachtsangehörige mit Versorgungsschein). Hauptleute, Majore und sogar ein Oberst waren damals Dienstanfänger.



Jeep-Patrouille der Traffic Control Unit in 1947
Im Pelikanwerk, in der großen Angestellten-Villa, war die Einheit erstmals mit ihren englischen Überwachern im Dienst unter einem Dach untergebracht. Dazu gehörten im Rahmen der Neugliederung als zivile Organisation ein BSE (British Supervisory Element), mit einem Captain und einem Sergeant Major, dazu ein Dolmetscher und ein Fahrer aus den Reihen der Traffic. Die Abgänge wurden jetzt durch Einstellungen über das Arbeitsamt ausgeglichen. Neuzugänge wurden nach Tarifen mit der Möglichkeit der Höherstufung durch Beförderungen (Foreman/Head-Forman usw.) eingestellt. Die Einheit selbst wurde durch eine Special Investigation Section verstärkt, eine Abteilung ähnlich der Kriminalpolizei.

Besondere Einsätze waren zunächst 1948/49 anlässlich der Luftbrücke nach Berlin mit einzelnen Detachments auf den Militär-Flugplätzen in Wunstorf, Faßberg und Celle-Wietzenbruch zu leisten. Andere Detachments nahmen bereits 1948 an Manövern der britischen Rheinarmee teil.



Mit der britischen Rheinarmee 1948 im Manöver
Ein Detachment bestand ab 1948 in Bad Oeynhausen beim Headquarter der britischen Rheinarmee. Der Ort wurde gänzlich von den Besatzungstruppen genutzt. Die deutsche Zivilbevölkerung war evakuiert worden. An den Zufahrten befanden sich Schranken und Kontrollstellen, die von der Royal Military Police und der Traffic Control Group besetzt waren. Zudem wurden im Stadtgebiet Verkehrsposten gestellt und der übliche Streifendienst gefahren. Da die deutsche Polizei in diesem exterritorialen Gebiet keinen Zugang hatte, übernahm die Traffic Control Group auch gegenüber den deutschen Beschäftigten in der Stadt die polizeilichen Aufgaben. Anfang der 50er Jahre wurde der Stacheldraht um die Badestadt abgeräumt, und nach und nach wurden die Häuser und Straßen wieder an die früheren Bewohner zurückgegeben. Mit der Verlegung des Headquarters 1953/54 wurde das Detachment der Traffic Control Group nach Hannover zurückverlegt.



Die Angehörigen der 964. Traffic Control Unit 1956 in Hannover. Und noch steht der spätere Hauptmann Richard E. Schulz in der ersten Reihe.
Der dienstliche Höhepunkt für die Traffic Control Group war jedoch 1952 die Absicherung des damaligen Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte, des Generals Eisenhower, in Hannover. Es war in dem Jahr vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Er war in der jetzigen Emmich-Cambrai-Kaserne an der Vahrenwalder Straße einquartiert. Dazu war ein großer Kasernenblock abgeriegelt. Die Traffic Control Group stand auf dem Bürgersteig rund um den Block. Die Royal Military Police stand im unteren Flur und die US Military Police im nächsten Stockwerk. Eine eigene Leibwache stand vor der Tür des Generals. Nach drei Tagen reiste General Eisenhower nach Bad Oeynhausen ins Headquarter der britischen Rheinarmee.

Mit der Verlegung in die General-Wever-Straße wurde der Fahrzeugpark wieder einmal umgerüstet. Die alten Trucks der Marke Ford wurden gegen Bedford Trucks ausgetauscht. Ein Teil der Motorräder der Marke BSA wurde durch Matchless Kräder ersetzt. Für den Streifendienst wurden weitere Jeeps zugeteilt. Der Streifendienst selber wurde weiterhin durchgeführt, allerdings nicht mehr in dem früheren Umfang, waren doch auch die Transporteinheiten der Deutschen Dienstgruppen abgebaut worden. Die Präsenz der britischen Streitkräfte wurde mit dem Aufbau der deutschen Streitkräfte verringert und damit die Hilfskräfte zur Unterstützung nicht mehr in bisherigem Umfang benötigt. Hierunter fielen vor allem die Deutschen Dienstgruppen. Noch aber wurden von der Traffic Control Group gerade in dieser Zeit amerikanische Konvois begleitet. Die Kolonnen wurden in Mannheim abgeholt und zum Schießplatz nach Putlos begleitet. Die Mixed Civilian Labour Units mit vielfach ausländischem Personal bestanden mit kleinen Einheiten noch im Jahre 1992.

Ende 1956 wurde die 964. Traffic Control Unit aufgelöst. Die Kraftfahrzeuge wurden im Depot im Rheme abgegeben. Soweit eine weitere Verwendung in anderen Bereichen der German Service Organization (GSO) nicht beabsichtigt war, wurden Entlassungsscheine ausgehändigt. Mit dem Aufbau der neuen deutschen Streitkräfte verließen immer mehr Männer "die Traffic" und wurden wieder Soldaten oder aber auch Zivilangestellte der Bundeswehr. Wenn es auch kein sicherer Job für 40 Jahre war, so waren doch diese nahezu 12 Jahre, aus der Kriegsgefangenschaft heraus in die German Military Police, zunächst eine sichere Existenz und gute Überbrückung für den Einstieg in das bürgerliche Leben. Für einzelne Angehörige der Einheit, wie z.B. den späteren Oberstleutnant Hänisch und Hauptmann Schulz, folgte der direkte Weg aus der Traffic Control Unit in Hannover in die Feldjägertruppe der Bundeswehr nach Sonthofen.

Eine Chronik der Traffic Control Unit, Unterlagen des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes zu den Dienstgruppen, Gesprächsnotizen und Briefwechsel liegen diesem Beitrag zugrunde. Insbesondere waren es aber die langen Gespräche mit dem leider bereits im 79sten Lebensjahr in Celle verstorbenen Kameraden Richard E. Schulz als Zeitzeugen. Dessen Erinnerungen als Fallschirmjäger im II. Weltkrieg, Polizeibeamter und Head-Forman der Traffic Control Unit, wie vieles andere zur Vorgeschichte der Feldjägertruppe auch, bewahren wir in unserem Archiv vor dem Vergessen.



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